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Januar 2020

Schale der Liebe

 

Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal,

der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt,

während jene wartet, bis sie gefüllt ist.

Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.

 

Lerne auch du nur aus der Fülle auszugießen , und habe nicht den Wunsch,

freigiebiger zu sein als Gott.

Die Schale ahmt die Quelle nach.

Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zum See.

Du tue das gleiche!

Zuerst anfüllen und dann ausgießen.

 

Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen.

Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.

Wenn du nämlich mit dir schlecht umgehst, wem bist du dann gut?

Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.

 

Bernhard von Clairvaux

Gehe behutsam deinen Weg inmitten des Lärms und der Hast in der Welt

und vergiß nie welcher Friede im Schweigen liegt.

Lebe, soweit als möglich und ohne Dich aufzugeben, in guter Beziehung zu anderen Menschen.

Verkünde deine Wahrheit ruhig und klar.

Höre auch anderen zu, sogar den Törichten und Unwissenden, auch sie haben ihre Geschichte.

Vermeide laute und aggressive Menschen, sie bringen nur geistigen Verdruß.

Es ist möglich, das du entweder stolz oder verbittert wirst, wenn du Dich mit anderen vergleichst; den immer wird es bedeutendere und unbedeutendere Menschen geben als Dich selbst.

Freue Dich des Erreichten genau so wie deiner Pläne, doch sei auf jeden Fall demütig.

Übe Vorsicht in deinen Geschäften, denn die Welt ist voller Betrügereien.

Verschließe dich jedoch nicht dem Wert der Tugenden, viele Menschen streben nach hohen Idealen und die Welt ist voll von Heldentum.

​​

Sei du selbst.

Heuchle vor allem keine Zuneigung und spotte nicht über die Liebe.

Trage freundlich die Bürde der Jahre und gib alles auf, was der Jugend zusteht.

Nähre die Kraft deines Geistes, um plötzlichem Unglück gegenüber gewachsen zu sein.

Viele Ängste entstehen aus Müdigkeit und Einsamkeit.

Neben einer heilsamen Disziplin, sei freundlich zu dir selbst.

Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und Sterne.

Du hast ein Recht darauf hier zu sein.

Und die Kraft des Universums wird sich so entfalten wie es sein muss, ob dir das klar ist oder nicht.

Deshalb lebe in Frieden mit Gott, was immer du dir unter ihm vorstellst.

Und was immer deine eigenen Bemühungen und Absichten sein mögen,

halte Frieden mit deiner Seele in diesem lärmigen Durcheinander des Lebens.

Mit all ihrem Schein, ihren Kümmernissen und zerbrochenen Träumen ist diese Welt dennoch wunderbar.

Sei vorsichtig.

Strebe danach glücklich zu sein.

 

(bereits 1692 in der St. Pauls Kirche in Baltimore gefunden)

November 2019

Ode an das Leben

Langsam stirbt, wer Sklave der Gewohnheit wird, in dem er jeden Tag die gleichen Wege geht, wer nie seine Überzeugungen hinterfragt, wer nie etwas riskiert und nie eine neue Farbe trägt, wer mit niemandem spricht, den er nicht kennt.


Langsam stirbt, wer sich keiner Passion hingibt, wer Schwarz dem Weiß und wer das Tüpfelchen auf dem “i” jeder Gefühlsregung vorzieht, besonders jenen Gefühlen, die die Augen zum Leuchten bringen, die ein Gähnen in ein Lächeln verwandeln und die das Herz vor Kummer bewahren.


Langsam stirbt, wer nicht seine Meinung sagt, wenn er sich unglücklich bei seiner Arbeit fühlt, wer, anstatt einen Traum zu verfolgen, die Sicherheit immer der Unsicherheit vorzieht, wer sich nicht wenigstens einmal in seinem Leben die Freiheit nimmt, sich vernünftigen Ratschlägen zu entziehen.


Langsam stirbt, wer nicht reist, wer nicht liest, wer keine Musik hört, wer nicht auch Würde in sich selbst findet.
Langsam stirbt, wer die Liebe zu sich selbst zerstört; wer sich nicht helfen lässt.


Langsam stirbt, wer die Tage damit verbringt, über sein Unglück oder über den ununterbrochenen Regen zu klagen.
Langsam stirbt, wer ein Projekt aufgibt, bevor er es beginnt; wer keine Fragen stellt zu Argumenten, die er nicht kennt, wer nicht antwortet, wenn man ihn nach etwas fragt, das er weiß.


Vermeiden wir den Tod in sanften Raten, in dem wir uns immer erinnern, dass das Leben eine viel größere Anstrengung verlangt als das bloße Atmen.


Nur mit unendlicher Geduld werden wir wahre Glückseligkeit erreichen.

Pablo Neruda