
Monatsimpuls für August 2026
... sich erinnern ... an die eigenen Bedürfnisse, sich erlauben langsam zu machen, seinem eigenen Rhythmus zu folgen, sich selbst treu zu sein ... jeden Tag aufs Neue ... sich erinnern .. in all der Hektik, in all den Turbulenzen, Herausforderungen, Veränderungen, in Zeiten fehlender Sicherheit, innerer Unruhe ... sich erinnern ...
Die Weisheit der Eiche
Die Eiche wächst nicht, um größer zu sein als die anderen.
Sie wächst, weil es ihrer Natur entspricht.
Sie kennt keine Eile.
Keinen Vergleich.
Keinen Zweifel daran, dass jede Jahreszeit ihren Sinn hat.
Sie verliert ihre Blätter, ohne Angst zu haben.
Denn sie weiß:
Was wirklich zu ihr gehört, kehrt zurück.
Ihre Kraft liegt nicht in ihrer Krone.
Sie liegt tief unter der Erde.
Dort, wo niemand hinsieht.
Dort, wo Stille entsteht.
Vielleicht ist das auch deine Aufgabe.
Nicht höher zu wachsen als andere.
Sondern tiefer in dich selbst.
Denn alles, was dich erschüttern wollte, konnte nur an deinen Ästen rütteln.
Nicht an deinen Wurzeln.
Und vielleicht erkennst du eines Tages, dass selbst die schwersten Stürme nicht gekommen sind, um dich zu brechen.
Sie kamen, um alles fortzutragen, was nie zu dir gehörte.
Damit nur das bleibt, was wahr ist.
Die Eiche kämpft nicht gegen den Wind.
Sie vertraut ihren Wurzeln.
Vielleicht ist genau das die größte Weisheit:
Du musst das Leben nicht kontrollieren.
Du musst nur den Mut haben, in deiner Wahrheit verwurzelt zu bleiben.
Denn wer tief in seiner Seele verwurzelt ist, muss niemandem beweisen, wie stark er ist.
Er steht einfach.
Still.
Echt.
Und erinnert allein durch das Sein daran, dass wahre Stärke niemals laut sein muss.
Netzfund

Monatsimpuls für Juli 2026
... wie oft fühlen wir uns nicht gesehen, sehen uns selbst nicht ... entfernen uns von unseren wahren Bedürfnissen, funktionieren, passen uns an und erfrieren ... wie befreiend sich selbst wieder zu sehen, sich selbst den Raum zu geben ... was brauchst du, spürst du das?
Die Eisfrau und die Libelle
Da stand sie, unsagbar schön, von kristalliner Schönheit – gefroren. Eine dicke Eisschicht bedeckte sie, schirmte sie von allen Empfindungen ab. Sie konnte sich nicht rühren, nur sehen, hören und riechen was um sie herum geschah.
Doch nichts berührte sei, erreichte ihr Herz. Sie hörte die Vögel, vielfältig und kraftvoll in ihren Farben und in ihrem Gesang … doch sie berührten sie nicht. Sie hörte die und sah die Singvögel, die Raben, Elstern, Milane, Eichelhäher wie durch Watte, aus weiter Ferne, unbeteiligt, abgeschnitten.
Die Vögel nannten sie die Eisfrau.
Die Bäume in ihrer Vielfalt, leuchtend grün, sanft duftend, zeigten ihre ganze Pracht, doch sie erreichten die Eisfrau nicht.
Die Pflanzendevas riefen ihr zu, wollten ihr sagen, wie schön sie ist, wie einzigartig, wie zauberhaft. Doch ihre Worte prallten am Eispanzer ab und berührten sie nicht.
All die wundervollen Wesen, Steine, Pflanzen, Bäume, Tiere, Vögel, die Sterne, die Mondin, die Sonne drangen nicht durch ihre Eisschicht … sie erreichten sie einfach nicht, konnten sie nicht berühren.
Da stand sie in all ihrer Schönheit, blind, taub, einsam, unfähig die Wärme, die Liebe, das Mitgefühl, das sie umgab zu spüren, fest umschlossen vom Eis.
Als all die mitfühlenden Wesen nicht mehr weiterwussten, kam eine kleine Libelle mit schillernden Flügeln, sanft angeflogen und setzte sich auf die Eisfrau.
Sie flüsterte ihr zärtlich ins Ohr.
Auf einmal ging ein raunen durch die vielen mitfühlenden Wesen, denn in den Augen der Eisfrau löste sich eine Träne und fiel sanft zu Boden. Sie glitzerte und funkelte im Sonnenlicht, tausend Sonnenstrahlen spiegelten sich darin. Wie von Zauberhand begann das Eis nach und nach zu schmelzen. Alle hielten den Atem an, warteten gespannt und voller Hoffnung.
Immer mehr Tropfen fielen zu Boden, funkelten, leuchtenten und siegelten die Sonnenstrahlen. Die Sonne bündelte ihre ganze Kraft und half das Eis zu schmelzen. Je mehr das Eis schmolz, umso mehr Bewegung kam in die Eisfrau, umso lebendiger wurde sie.
Sie begann sich zu regen, schaute umher, ließ sich berühren von all der Schönheit und spürte nach und nach ihre eigene Kraft.
Das Leben in ihr kehrte zurück.
Verwundert nahm sie ihre Umgebung wahr, spürte die Sonne auf der Haut, hörte den Gesang der Vögel, das Rauschen des Windes in den Blättern der Bäume, roch die vielfältigen Pflanzen, sah ihre leuchtenden Farben und spürte eine unbändige Kraft um sich herum und in sich selbst.
Ihre Augen strahlten und leuchtete, wie die Sterne am Himmel und es umgab sie ein magischer Zauber.
Die Libelle hatte sie befreit, ihre Seele berührt, ihr Herz geöffnet und ihr das Leben zurückgebracht, mit drei einfachen Worten: „Ich sehe Dich“
Alles bekam plötzlich einen Sinn, fügte sich zusammen, die große Verbindung wurde sichtbar, das gewebte Netz deutlich … alles rückte an seinen Platz, so klar, so einfach, so berührend.
Monatsimpuls für Juni 2026
.... manchmal sind wir wie ein Truthahn ... wir sehen nur einen Teil des Ganzen, vertrauen auf die Taten und Worte unseres Gegenübers und überschreiten unsere eigenen Grenzen. Dann hilft es kurz inne zu halten und nach Innen zu spüren, abzuwägen und eine Entscheidung zu treffen ... eine Entscheidung zu deinem Wohle :-)
DER TRUTHAHN, DEM ES SEHR, SEHR GUT GING
Große Ringe zierten die Augen der Frau. Es war spät. Letzte Woche hatte sie Kröger erzählt, sie würde verreisen. „Urlaub gestrichen?“, fragte er.
„Freiwillig verschoben“, korrigierte sie müde, aber stolz. „Das Projekt muss fertig werden. Mein Chef verlässt sich auf mich. Seit fünf Jahren opfere ich mich auf, und er dankt es mir. Allein der Bonus im letzten Jahr. Er sagt immer: ‚Wir sind hier keine Firma, wir sind eine Familie.‘
Sie nahm einen Schluck Kaffee. „Und er sagt, dass ich unersetzbar bin.“
„Das erinnert mich an den Truthahn“, sagte Kröger. „Jeden Morgen kommt der Farmer. Er bringt das beste Futter, frisches Wasser, sorgt dafür, dass der Stall schön warm ist.
Schon am ersten Tag gibt es richtig gutes Futter.
Der Truthahn denkt: ‚Der Farmer ist ein netter Kerl.‘
An Tag einhundert gibt es zusätzlich zum Futter noch Streicheleinheiten. Der Truthahn denkt: ‚Der Farmer liebt mich.‘ Das Futter wird immer mehr.
Der Truthahn ist sich absolut sicher: ‚Der Farmer ist mein bester Freund.‘“
Die Frau lächelte ein bisschen schief. „Schönes Leben.“
„Ja“, sagte Kröger. „Immer sicherer fühlt er sich, der Truthahn.
Und weißt du, wann dieses Gefühl am größten ist?“
Die Frau schüttelte den Kopf.
„Am Tag vor Thanksgiving. Und dann kommt der Farmer nicht mit dem Futter, sondern…“
Kröger hackte mit der Handkante auf den Tresen, die Frau zuckte zusammen.
„…mit dem Beil.
Für den Truthahn ist das ein Schock. Für den Farmer war das Futter immer nur eine Investition. Und außerdem: Je fetter der Truthahn, desto schlechter kann er weglaufen.“
"Der kleine Kiosk der Weisheiten" von Tim Schlenzig

